Einmal mehr wird das Mittelmeer seinem Ruf als Starkwindrevier gerecht. Für die letzte Etappe von Marseille nach La-Seyne-sur-Mer war Rodeo angesagt. Der Mistral blies bereits beim Start mit bis zu 20 Knoten und legte dann kontinuierlich bis zu über 30 Knoten zu. Die F30 Flotte segelte und surfte unter Spi mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 25 Knoten in Richtung des Ziels. Der kleinste Fehler am Steuer oder im Segelhandling wurde sofort mit einem kenterähnlichen Sonnenschuss bestraft. Nicht alles Material hielt der extremen Belastung stand; zwei Masten von führenden Booten gingen in Brüche und Spis explodierten gleich reihenweise.

Der kleinste Fehler wird mit einem 'Sonnenschuss' bestraft

Sowohl BV I und BV II hatten Glück und mussten keine grösseren Schäden beklagen. Die Regattaleitung beschloss dann bei weiter auffrischendem Wind nach zwei Dritteln der Distanz das Rennen abzubrechen und die Schiffe unter Motor in den Hafen weiterfahren zu lassen. Es waren ja noch Short Races in La Seyne-sur-Mer vorgesehen.

BV II surft über die bis zu 4m hohen Wellen.

Jimmy Pahun, einer der besten Profisegler der Tour, war beeindruckt vom hohen Niveau des ganzen Feldes. Er schätzt, dass höchstens 5 % aller Segler bei solch harten Verhältnissen noch einigermassen kontrolliert segeln können. Aber im Feld der Tour waren mehr oder weniger alle Mannschaften fähig ihre Schiffe sicher durch die aufgewühlte See zu fahren. Dass dies nicht ganz einfach ist, zeigt das folgende Bild.

Nur mit viel Geschick und voller Konzentration kann diese heikle Situation bewältigt werden

Für dieses Jahr ist die Tour nun zu Ende. BV I beendet auf dem 25. Platz und BV II erreicht den 23. Platz. Beide Teams haben seglerisch die hochgesteckten Ziele nicht ganz erreicht, aber in einzelnen Läufen wurden immer wieder Spitzenresultate herausgesegelt. Als Erlebnis war die diesjährige Tour mit zwei BV Mannschaften aber einmalig und sie wird allen in bester Erinnerung bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass der gute Spirit im gesamten Team erhalten bleibt und weiter Hochseeregatten auf höchstem Niveau gesegelt werden.

Lorenz Müller